Lohnentwicklung in Deutschland

 

 

Manfred Julius Müller:

Alles wurde schlechter...

Seit 1980 sind die inflationsbereinigten Nettolöhne und Renten in Deutschland um etwa 15 % gesunken. Und dass, obwohl die Produktivität sich nahezu verdoppelte.
Anstelle eines normalen Wohlstandszuwachses von ca. 100 % hat sich also eine deutliche Verschlechterung eingestellt.

 

Die Faustregel des produktiven Fortschritts:
Wohlstands-Verdoppelung alle 25 Jahre!

Rechnet man von 1880 bis 1980 die Kriegsjahre und deren Folgen heraus, kam es in Deutschland und anderen Industrienationen binnen 25 Jahre immer zu einer Verdoppelung des allgemeinen Wohlstands (der Nettoreallöhne und Renten).

Seit 1980 gilt diese Faustregel nicht mehr: Statt der Wohlstandsverdoppelung ging es nur noch bergab. Wenn es immer wieder heißt, EU und Globalisierung bringen uns mehr Wohlstand, dann möchte ich nicht wissen, wie ohne diese beiden "Wohlstandsfaktoren" der Absturz ausgesehen hätte. Wäre Deutschland dann zu einem industriellen Entwicklungsland verkommen?
Wie kommt es eigentlich, dass die Schweiz ohne EU und Euro Deutschland bei den Reallöhnen so weit abgehängt hat?

Lohnsenkungen trotz doppelter Produktivität - wie kann das sein?
Leider mogeln sich Politik um Medien um dieses zentrale Thema herum. Sie wollen den Widerspruch nicht sehen und vor allem nicht diskutieren.
Denn würde in aller Offenheit darüber geredet, kämen unweigerlich unliebsame Wahrheiten ans Tageslicht. Es würde deutlich, dass weder die Globalisierung noch die EU zur Wohlstandssteigerung etwas beigetragen haben, ganz im Gegensatz zu dem, was uns immer wieder von allen Seiten beteuert wurde.
Es würde offenbar, dass im Gegenteil EU und Globalisierung systematische Wohlstandskiller sind. Denn es leuchtet ja durchaus ein: Ein Land ohne vernünftige Zollgrenzen kann sich gegen das globale Dumpingsystem nicht wehren - ein Land ohne Zollgrenzen muss unweigerlich mitmachen beim absurden Unterbietungswettbewerb.

Nutznießer dieser falschen Wirtschaftspolitik sind vor allem das Großkapital, also Konzerne und Spekulanten, zufällig genau die, die großen Einfluss auf die Medien und Politik ausüben. Näheres...

 

"Seit 1980 sinken die Reallöhne trotz steigender Produktivität. Aber die Ursachen für diesen Widerspruch scheinen kaum zu interessieren.
Man debattiert lieber scheinheilig über Mindestlöhne, Pendlerpauschalen, höhere Reichensteuern usw."

Die Arbeitsbedingungen werden zunehmend schlechter!
Durch das perverse globale Dumpingsystem sinken aber nicht nur Löhne und Renten, auch die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich. Die Leistungsanforderungen und der Stress nehmen zu, der Kampf um die knapper werdenden Jobs wird härter. Für gering qualifizierte Arbeitnehmer ist in unserer Arbeitswelt kaum noch Platz - die Wirtschaft kann nur noch extrem belastbare Topleute gebrauchen, die nicht aufmucken, sich gehorsam und bescheiden geben.

Wie ist es möglich, dass Wirtschaftswachstum und Produktivität stetig zulegen, die Reallöhne aber dennoch sinken.

Zur Abb.:
Wären alle verdeckten Faktoren berücksichtigt worden, wäre der Reallohn-Abstieg noch deutlicher ausgefallen.

Außerdem: Ohne Globalisierungseffekte wäre auch die Produktivität noch stärker gestiegen.
Denn ausgerechnet die einfachen arbeitsintensiven Bereiche, die einen großen Fortschritt versprochen hätten, wurden weitgehend ins Ausland verlagert (leider hat man trotzdem weiterhin ungeniert Millionen gering qualifizierte Migranten ins Land gelassen).

"Aber das stimmt doch gar nicht, die Löhne sind doch gestiegen!"
Eine aufschlussreiche Analyse über die tatsächliche Lohnentwicklung mit einer Erläuterung, wie die Statistiken geschönt werden, finden Sie hier...

 

Der technische Fortschritt führt in modernen Industrieländern etwa alle 25 Jahre zur Verdoppelung des Wohlstandes.
Seit 1980 stimmt diese Faustformel nicht mehr - statt realen Lohnzuwächsen gibt es nur noch Abschläge.

Sollen wir also weitermachen wie bisher? Sind wir auf dem richtigen Weg? Sollen wir weiter darauf vertrauen, dass EU und Globalisierung die großen Heilsbringer sind?

 

Von 1900 bis 1980 hat sich die Kaufkraft (der Wohlstand) mindestens verfünffacht!
Nun wird gerne die missliche Entwicklung der inflationsbereinigten Nettolöhne mit allerlei Widrigkeiten begründet. Eine reife Volkswirtschaft könne nun einmal nicht so wachsen, die demographische Entwicklung, die Kosten der Wiedervereinigung usw. seien Schuld.
Aber diese Ausflüchte kann ich nicht gelten lassen. Denn schon vor hundert Jahren nahm die "Vergreisung" der Gesellschaft ihren Anfang, auch damals gab es gesellschaftliche Umbrüche und gesättigte Märkte - und die Folgekosten der beiden Weltkriege waren ungleich höher als die der friedlichen Wiedervereinigung.
Die bemühten Ausreden sollen einmal mehr von den erschreckenden Tatsachen ablenken, Vergleiche unmöglich erscheinen lassen.

Fest steht, dass von 1900 bis 1980, in einer Zeit funktionsfähiger Zollgrenzen (also ohne EU und Globalisierung), der allgemeine Wohlstand (die Reallöhne) sich mindestens verfünffacht haben. Berücksichtigt man die Kriegs- und Nachkriegszeiten, so bleibt festzustellen, dass die Verfünffachung des Wohlstandes sich de facto in 50 Jahren vollzog.

Und seit 1980 geht es nur noch bergab - das muss doch einen Grund haben.
Und was wäre einleuchtender, als den globalen Dumpingwettbewerb als Hauptursache anzunehmen. Oder gibt es eine andere einleuchtende Erklärung (ich kenne keine).

Ziele und Hintergründe meiner Arbeit
Den seit 1980 anhaltenden Wohlstandsabstieg halte ich für künstlich herbeigeführt (durch den Abbau der Zollgrenzen). Unser Land und die Bevölkerung brauchen sich aber damit nicht abzufinden - die Fehler sind korrigierbar die negativen Tendenzen umkehrbar.
Mein Ziel ist es, wieder zu normalen Verhältnissen zurückzukehren - dass heißt Wohlstandsanstieg im Einklang mit der stetig wachsenden Produktivität. Wie man dahinkommt, habe ich ausführlich in meinen Büchern beschrieben. Eine kleinen Einstieg dazu finden Sie
hier und hier...

 

 "Welchen Wert haben Auseinandersetzungen über die Globalisierung und die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands, wenn das herausragende Phänomen der sinkenden Reallöhne bei steigender Produktivität einfach ignoriert wird?"

 

"Aber der Normalbürger kann sich heute doch viel mehr leisten als vor 30 Jahren..."
Vorurteile sind kaum totzukriegen. Trotzig beharren viele Zeitgenossen immer noch darauf, dass es Otto Normalbürger heute deutlich besser geht als vor 30 Jahren. Seltsamerweise aber sind die Wortführer dieser "Wohlstandstheorie" selten älter als 30 oder 40 Jahre - sie haben den damaligen Standard selbst kaum miterlebt.

Dabei wird leider auch immer wieder der Reallohn mit dem Wohlstand gleichgesetzt.
• Es wird ignoriert, dass zum heutigen Wohlstand im Gegensatz zu früher weit mehr Erbschaften, Kapitalerträge und Spekulationsgeschäfte beitragen.
• Es wird "übersehen", dass der Wohlstand zum Teil auf Pump finanziert wurde (höhere Staats- und Privatverschuldung).
• Es wird missachtet, dass der Normalbürger inzwischen viel mehr in seine Ausbildung investieren muss (es wird der Akademiker mit dem damaligen Facharbeiter verglichen) und es werden schließlich auch noch die eindeutigen Looser der Globalisierung aus den Köpfen verbannt.
• Gehören die zehn Millionen Arbeitslosen, Minijobber, Zeitarbeiter, Vorruheständler usw. nicht mehr in die Vergleichsstatistik, weil sie jetzt keine Normalbürger mehr sind?

Zu alledem vernebeln auch noch gesellschaftliche Veränderungen den Blick. Zwar gibt es heute mehr sichtbare Wohlstandssymbole (Pkw, Eigenheime, Auslandsreisen usw.), dafür sind aber häufig andere Formen der Lebensqualität verloren gegangen.
Kinder zum Beispiel können oder wollen sich heute viele junge Leute trotz hoher staatlicher Kindergelder nicht mehr leisten. Man sollte sich ruhig einmal erinnern: In der vermeintlich wohlstandsarmen Zeit vor der Globalisierung genügte oft ein Verdiener, um die ganze Familie ohne staatliche Hilfen zu ernähren.

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 © Manfred J. Müller, Flensburg


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Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. "Das Kapital und die Globalisierung".